Berlin und Berlinchen: Radtour durch West-Brandenburg

Eine Radtour von Mitte (Berlin) bis Oranienburger Berg (Oranienburg)

Von trendschau am 11.09.2014
316.8 km · KML | GPX ·

Mitte (Berlin)

13.3888490 52.5170350
0 km
64.6 km

Wer Brandenburg nicht kennt, kann Berlin nicht verstehen. Während in Städten wie Hamburg zur passenden Jahreszeit ein würziger Gülle-Geruch an das nahe Land erinnert, versucht Berlin sein Inseldasein mit seiner Aufgedrehtheit zu kaschieren. Dabei ist die Einsamkeit sehr nah: Einige Regionen der Uckermark nördlich von Berlin gelten nach Unesco-Standards als unbesiedelt. Vielleicht macht die Angst vor dem Nichts Berlin ja so laut. Und dennoch sind viele Gemeinsamkeiten unübersehbar: Reichlich trostlos, ein bisschen piefig, hier und da recht runtergekommen, und meistens schlecht gelaunt. Dazwischen aber auch immer wieder Inseln des Glücks, Tiefenentspannung, große Architektur und weite Landschaften. "Berlin" und "Berlinchen": Diese beiden Stationen auf der gut 300 km langen historischen Städtetour West-Brandenburg bringen es wohl auf den Punkt.

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Lindholzfarm

12.7551300 52.6548300
64.8 km
29.6 km

Der Hochnebel des Vormittags hatte sich in Ribbeck zwar ein wenig verzogen. Doch auch mit Sonnenschein wäre der erste Streckenabschnitt wohl kein Highlight gewesen. Ein paar schöne Abschnitte gibt es zwar. Und tatsächlich hatten wir sogar noch im Berliner Randbezirk die ersten Rehe gesichtet. Aber insgesamt geizt der gesamte Speckgürtel von Berlin mit der Schönheit Brandenburgs: Zu viele Straßen, zu viel Verkehr, zu viel Zersiedelung. Schloss Ribbeck ist da genau der richtige Ort, um sich auf den Natur-Tripp einzustellen.

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Stechow

12.4577100 52.6300500
94.4 km
35.3 km

Als wir gerade in der Natur angekommen waren, ging es schon wieder auf Rathenow zu, die nächste größere Stadt. Mit 95 Kilometern in den Beinen haben wir daher in Stechow gerastet: Ein typischer Brandenburger Gasthof in einem alten Dorf, die Angestellten-Häuser zu Gastzimmern umfunktioniert. Draußen ein paar Jungs auf Montage-Tour, drinnen ein paar Nachbarn aus dem Dorf. Der Wirt serviert Deftiges, das Kristall kommt ohne Zitrone, die Preise sind vernünftig, der Schlaf ist tief.

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Schönholz

12.4136900 52.7198700
129.8 km
6 km

Hinter Rathenow begann dann der schönste Abschnitt des Havellands. Es muss wohl irgendwo vor Schönholz gewesen sein, als die Sonne endgültig durchbrach und wir die ersten wirklich glücklichen Kühe im Freien trafen: Französische Charolais-Rinder, die auf einer Wiese irgendwo im Nirgendwo grasten und ihr persönliches Highlight des Tages genossen: Zwei komische Typen mit Knipse und Fahrrad.

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Stölln

12.3734400 52.7550500
135.7 km
16.9 km

Kühe und Himmel, Ost und West: Wir staunten nicht schlecht, als völlig unerwartet mitten auf dem Acker plötzlich ein Flugzeug auftauchte. Der Mitfahrer hatte den richtigen Riecher: Das kann nur eine Interflug sein, die Airline der DDR. Mitten im Nirgendwo. Im Dorf selbst ist überall der Name Otto Lilienthal präsent, der Flugpionier schlechthin, wie ich später erfuhr. Und ähnlich spektakulär wie die ersten Flugversuche von Lilienthal war auch die Landung der Interflug im Jahr 1989 auf einer 860 Meter langen Graspiste. Damit ging's in's Guinness-Buch. Chapeau.

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Spiegelberg

12.4319700 52.8596000
152.6 km
49.7 km

Die Tour hätte für meinen Geschmack endlos so weitergehen können. Tat sie aber nicht. Obwohl der Verlauf auf der Karte bei einem flüchtigen Blick recht vielversprechend aussah: Das kleine Flüsschen Dosse, viel weites Land, wenig Besiedelung. Doch je mehr man in den Norden kam und das Havelland verließ, desto häufiger fuhr man wieder auf Land- und Dorfstraßen herum. Ein einziger Abschnitt, von Neustadt bzw. Spiegelberg bis nach Wusterhausen-Dosse, führt direkt an dem Flüsschen entlang. Der Abschnitt ist fantastisch: Ein toller Fahrradweg schlängelt sich durch Baumalleen direkt neben dem Fluss durch die Landschaft. Schon sechs Kilometer zuvor hatten wir in Hohenofen versucht, an der Dosse entlang zu fahren, allerdings vergeblich: Es war nur ein Wanderweg, der mit dem Rad nicht befahrbar ist. Schade, denn so beschränkte sich der einzige bleibende Eindruck von der gesamten Süd-Nord-Fahrt auf etwa fünf Kilometer. Der Rest ging teilweise, vor allem vor und hinter größeren Städten wie Kyritz und Wittstock-Dosse, entlang einer relativ stark befahrenen, zumindest aber unspektakulären Landstraße.

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Berlinchen

12.5836600 53.2192700
202.3 km
21.3 km

Bienenfarm, Kotzen, Wassersuppe, Neu-Amerika, Königsberg, Berlinchen: Wenn die Tour eines zu bieten hat, dann kuriose Namen.In Berlinchen hat es uns dennoch gereicht: Der Fahrradweg war in dieser Gegend tatsächlich zum Kotzen, wie gesagt verlief ein großer Teil der Strecke neben langweiligen Landstraßen entlang, und nun hatten die stacheligen Akazien-Bäume auch noch einen Reifen platt gemacht. Luftpumpe? Natürlich vergessen. Der zweite Tiefpunkt der Tour. Den ersten hatte es schon vorher gegeben, als wir die Räder ein Stück durch den brandenburger Sand schieben mussten. Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns da verfahren hatten, aber so oder so stand langsam die Frage im Raum, wie die Strecke beim ADFC vier Sterne ergattern konnte. Vier Sterne, die hat auch die Oder-Spree-Radtour im Osten bekommen, und die Touren lassen sich nur schwer vergleichen. Auch die permanenten Huckelpisten nervten: Man kommt nicht voran und kann die Natur nicht genießen, weil man ständig auf den Weg achten muss. Die Strecke soll wohl demnächst ausgebessert werden, verriet uns etwas später ein mobiler Fahrrad-Service aus Berlinchen. Wie dem auch sei: Er hat uns mit seinem Bulli den Tag gerettet: Gerade mal nach einer Stunde am Straßenrand konnte es weitergehen. Und schlagartig gab es auch wieder Highlights zu sehen...

Flecken Zechlin

12.7662800 53.1583000
223.7 km
12.8 km

Das brandenburgische Dorf gibt es in zwei Ausführungen: Die Kleine Variante mit einer Straße, die sich in der Mitte teilt und ovalförmig um die Dorfkirche schlängelt. Die größere Variante mit zwei steng parallel laufenden Straßen, die einen rechteckigen Dorfplatz bilden, mit der Kirche in der Mitte. In beiden Varianten erinnert vor der Kirche ein martialisches Denkmal an die Gefallenen des ersten Weltkriegs. Aber nur die größere Ausführung des Dorfes kann mit einer Fontane-Dorfschule punkten.

Was die Brandenburger dazu veranlasst hat, bei Flecken-Zechlin so völlig aus diesem Muster auszubrechen, bleibt mir ein Rätsel: Ganz untypisch schlängelt sich das Dorf einen Hügel hinunter zum See, bei strahlendem Sonnenschein wirkt es fasst schon mediteran, auf jeden Fall waren wir auf vieles gefasst, nur nicht auf sowas. Schon Zempow, das Dorf vor Zechlin, wirkte mit dem ganzen Bio- und Öko-Idyll wie eine Aussteiger-Paradies für den Prenzlauer Berg. Zechlin war dann endgültig der Pendant zu Berlin: Ausbrechen aus der Tristesse, ausbrechen aus Brandenburg.

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Rheinsberg

12.8988500 53.0997200
236.5 km
51.7 km

Der Abschnitt von Zempow bis nach Rheinsberg gehörte wohl zu den schönsten der Strecke. Nicht zuletzt, weil er auf einem alten Bahndamm entlang führt, der die Weite des Stechlin-Ruppiner Landes noch einmal verlängert.

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Löwenberg

13.1544100 52.8975600
288.3 km
28.4 km

Auch hinter Reinsberg gibt es noch einen schönen Abschnitt, ein Abstecher zum glasklaren Stechliner See ist zum Beispiel Pflicht. Doch dann biegt der Weg in Wentow nach Süden ab und erholte sich nicht mehr so recht: Huckelpisten und vergleichsweise langweilige Passagen, je weiter man in den Berliner Speckgürtel vordringt. Irgendwo hinter Löwenberg sind wir dann zum nächsten Bahnhof abgebogen und haben das letzte Stück per Zug zurückgelegt. Fazit zum Auflug: Einige wunderschöne Gegenden, aber der Gesamteindruck wird durch schlechte Streckenabschnitte und teilweise langweilige Passagen entlang von Landstraßen geschmälert. Von Wentow geht auch noch ein anderer Radweg in Richtung Zehdenick ab, der dann sicherlich den Berlin-Koppenhagen-Radweg kreuzt. Im nächsten Jahr könnte man versuchen, den Berlin-Koppenhagen-Radweg bis Zehdenick zu verfolgen, dann nach Westen den schönsten Abschnitt bis nach Zempow zu fahren und von dort aus Waren an der Müritz anzusteuern. Möglicherweise eine schöne Alternative zum Koppenhagen-Radweg, obwohl der auch so schon lohnenswert ist.

Sandhausen (Oranienburg)

13.2588350 52.7595370
316.8 km
0 km
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Autor

trendschau. Radtouren von Berlin aus in alle Himmelsrichtungen.

Tour

Fahrradtour von Mitte nach Oranienburger Berg

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